Forschungen

ensemble ɛkstʁaktə ist ein Ensemble für künstlerisch-schöpferische Musikforschung, das neue Ansätze transkulturellen und transtraditionellen Musizierens auf experimentellem Wege erschließt und ihr musikalisch-ästhetisches Potential erkundet. Wesentlicher Impulsgeber für unsere Arbeit ist die Befragung des westlichen Konzert-, Partitur- und Werkbegriffes und das Erproben anderer sozialer Rollen, anderer Notationsformen und neuer Technologien beim Entstehen und Anhören von Musik. In jeden Aspekt unserer Arbeit fließen Perspektiven verschiedener Musiktraditionen und -genres ein, aber auch konzeptuelle Ideen aus der traditionellen und zeitgenössischen Poesie, den visuellen Traditionen und körperbezogenen Kunstformen diverser Weltgegenden. Diese “Extrakte” werden dann, in neuen Kontexten und unerwarteten Kombinationen, zu neuer Musik, die sich jenseits aller Exotismen und naiver Weltmusik, im Spannungsfeld zwischen verschiedenen musikalischen Kulturen und Genres bewegt:

Was passiert, wenn man formale Strukturen des Dhrupad-Gesanges mit Spieltechniken des BeBop in einer Slendro-Harmonik improvisiert? Oder wenn eine interaktive Spektralpartitur den Musikern immer ihre gerade gespielten Obertöne anzeigt – und die Musiker gemeinsam eine Komposition nur mittels dieser Obertöne realisieren müssen, gleich auf welchem Instrument? Was passiert, wenn man die verschiedenen Stimmungen traditioneller Instrumente nicht angleicht, sondern aus ihren Differenzen eine neue Tonleiter baut – mit der man dann, vermittels der sozialen Musiziertechniken zentralafrikanischer Aka- oder Banda Linda Ensembles, rhythmisch komplexe mehrstimmige mikrotonale Musik entwickelt?

Die Musiker des ensemble ɛkstʁaktə sind Musiker, die über reiche Erfahrung in einer bestimmten Musiziertradition wie auch in transtraditionellen Kontexten verfügen. Es sind Musiker, die Meisterschaft, Offenheit und Vertrauen zueinander mitbringen, um ihre eigenen Traditionen erklären und kreativ hinterfragen zu können – und in diesem Kontext ist die eurologische sogenannte Neue Musik nur eine Tradition unter vielen.

Das ensemble ɛkstʁaktə ist prozessorientiert – es spielt keine Werke, die nicht aus dem gemeinsamen Forschungsprozess hervor- oder durch ihn hindurchgegangen sind. Es erteilt auch keine Aufträge, lädt aber ab und zu Künstler-Forscher aus unterschiedlichen Musiktraditionen und -genres ein, schöpferische Prozessphasen gestaltend zu begleiten.

Ein wesentlicher Bestandteil ist die hörend-kritische Begleitung und Evaluierung von internen Arbeitsphasen und öffentlichen Aktivitäten des Ensembles durch einen Beirat aus schöpferischen Musikern, Künstlern anderer Gattungen, Theoretikern und Musikkuratoren.


Downloads

EXTRAKTE – eine neue Arbeitsweise und Betrachtungsweise interkultureller Musik (PDF)
Nina Polaschegg: Interview mit Sandeep Bhagwati – faithful 2014 zum Ensemble Extrakte Veröffentlicht in Nutida Music Magazine Sweden, geführt im November 2014